Trauer

WIR BRAUCHEN EINE NEUE TRAUERKULTUR.

Das Thema Tod wird in unserer Gesellschaft oft verdrängt. Somit ist auch unser Wissen über Trauer sehr begrenzt.

Die meisten Leute fühlen sich sehr unwohl, wenn sie mit Sterblichkeit konfrontiert werden – sowohl mit ihrer eigenen, als auch mit der anderer Menschen. Daher vermeiden sie Trauernde oder geben uns gut gemeinte Ratschläge, wie „Sei nicht traurig“, „Du musst jetzt stark sein“ oder „Du bist noch jung“.

Mit solchen Sätzen versuchen sie, unseren Schmerz und ihre eigene Hilflosigkeit zu lindern – doch das funktioniert nicht.

TRAUER IST GESUND.

Trauer ist unsere natürliche und gesunde Reaktion auf einen Verlust. Sie ist ein notwendiger Prozess, der uns nach Wendepunkten im Leben hilft, mit Veränderungen umzugehen und Neues entstehen zu lassen.

Trauer ist keine Krankheit. Sie kann nicht „geheilt“ werden. Wird sie aber unterdrückt, so kann sie uns krank machen. Trauer will gelebt und ausgedrückt werden.

TRAUER BRAUCHT AUSDRUCK UND AKZEPTANZ.

Ein Grundbedürfnis jedes Menschen ist von Anderen gesehen zu werden. In der Trauer brauchen wir die Nähe anderer Menschen, die unsere Trauer respektvoll wahrnehmen und akzeptieren.

Wir brauchen einen sicheren Raum der Begegnung, in dem wir erzählen und uns angstfrei ausdrücken können. Wir möchten gesehen und gehört werden, ohne uns bewertet oder kritisiert zu fühlen.

TRAUER IST INDIVIDUELL.

Die Erfahrung von Trauer ist ein universelles Element der menschlichen Erfahrung und verbindet uns alle miteinander. Gleichzeitig ist jeder Verlust anders und mit einem individuellen Trauerprozess verbunden.

Manche Verluste erschüttern uns in unseren Grundfesten. Der Tod eines Partners, eines Kindes (auch in der ganz frühen Schwangerschaft), eines Familienmitglieds oder Freundes sind tiefe Einschnitte in der Geschichte unseres Lebens. Auch der Verlust eines geliebten Haustiers kann einen tiefen Trauerprozess auslösen.

TRAUER VERÄNDERT SICH.

Trauer hat keinen festen Zeitraum. Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem Trauer plötzlich „vorbei“ ist. Es gibt keinen „normalen“ Trauerverlauf. Niemand hat das Recht, Dir zu sagen, wann Du „genug“ getrauert hast.

Du kannst lernen, liebevoll mit Deiner Trauer umzugehen und sie bewusst als Teil Deines Lebens zu akzeptieren. Du darfst Dich für immer verbunden fühlen mit dem Menschen, den Du verloren hast. Und gleichzeitig darfst Du Dein Leben so neu gestalten, dass Du wieder Glück erfahren und Sinn finden kannst.

TRAUER BERÜHRT UNS IM TIEFSTEN INNEREN.

Der Verlust eines geliebten Menschen führt uns die Realität des Todes vor Augen. Er erinnert uns daran, wie fragil das Leben ist. Wir können plötzlich verstehen, dass wir weitere Menschen verlieren werden. Und dass wir auch selbst irgendwann gehen müssen.

Trauer bringt uns mit der grundlegenden Vergänglichkeit des Lebens in Kontakt. Sie kann uns zu der Frage führen, wie wir die begrenzte Zeit, die uns gegeben ist, weiterhin nutzen wollen. Vielleicht finden wir dadurch sogar die Möglichkeit, in der Tiefe der Dunkelheit etwas Schimmerndes und Wertvolles zu finden.

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